Chronik des KBV
„Einigkeit Uttel“ e.V. drucken
(Laudatio zum 75. jährigen
Jubiläum von Hinrich Dirks 1997, erweitert auf dem heutigen Tage)
Alten Überlieferungen
nach waren auch in Uttel erste Anfänge des Boßelns um 1920 zu verzeichnen. Die
Geest mit ihren Hecken und Wällen ließ im Winter kaum das schon bekannte
Klootschießen zu, mit einfachen Holzkugeln konnte man aber nach Geselligkeit
wie Hausbau, Drescharbeit oder Familienfesten oft einen kleinen, sportlichen
Wettbewerb durchführen.
Zu bewundern war dann
aber doch der Mut in einer Zeit nach dem verlorenen Weltkrieg, bei Inflation,
Arbeitslosigkeit und großer anderer Sorgen 1922 einen Verein ins Leben zu
rufen. Gründungsprotokolle existieren nicht. Berichten nach wurde bei Dirk
Kampen in Hattersum der Boßelverein Uttel/Hattersum mit Heinke Wübbenhorst als 1.Vorsitzenden ins Leben gerufen. Rasch
wurde dieser so groß und auch stark, dass sich schon um 1930 der Verein teilte
und im Lokal Wilhem Brauer in Nenndorf der Verein „He
kummt“ Nenndorf entstand. 1959 fusionierten
dann beide Vereine wieder zu „Einigkeit“ Uttel.
Johann Lüken aus Hattersum war es aber wohl neben dem Utteler Wilhelm Otten der das
Vereinsleben –in der der Stadt Wittmund umfassenden Gemeinde- prägte. Er
war auch die Klammer, die den Verein Uttel/Hattersum im zweiten Weltkrieg und
danach zusammenhielt. Er was 31 Jahre 1.Vorsitzender und fast ebensolange 2.Vorsitzender des KV VII – Wittmund bis
er 1957 aus Altersgründen den Vorsitz an Harm Ennen
weiter gab. Johann Lüken mache alles im Alleingang,
sei es Wettkämpfe, Versammlungen, Theateraufführungen, Saalschießen oder die
berühmten Zeltfeste –bi Tant Marie int Land-.
Als der sportliche
Sektor etwas vernachlässigt wurde, machte 1957/58 vor allem die nachrückende
Dorfjugend in beiden Vereinen Druck. Ein Hattersumer
Stamm um Wilhelm Schönbohm, Ludwig Behrends, Artur Anders oder Karl Hinrichs
bildete rasch mit den Nenndorfern (die vor allem aus
den fünf –Reentsbrothers- rekrutierten) mit
talentierten Jugendwerfern einen 25-Kader, der schnell bei der Männer I
Konkurrenz Beachtung fand. In den 60er Jahren wurde Uttel bei starker Buttforder und vor allem Ardorfer
Konkurrenz 4x Gesamtkreismeister und je 4x Kreismeister im Gummi- und Pockholzboßeln und war 1969 Gründungsligist der neuen OS-Landesliga. Hoch im Kurs standen damals
Freundschaftskämpfe, man scheute sich nicht starke Gegner wie Bockhorn,
Schortens, Wiefels oder Müggenkrug
auf die Strecke zu fordern und ließ auch Losser in
Holland nicht aus. Der nähere Gegner wurde dabei per Fahrrad besucht, in den Heimstrecken
wechselte man. In Hattersum ging es bei –Tant
Marie vört Döör- auf
Klinkerstrecke mit Sommerweg bis zum Burhafer
Osterpiep immer midden upt
Bock. Damals wurde noch mit reinem Pockholter
gebosselt, in Abens in der zweiten Kurve bei der
Gaststätte Eden prallte diese einmal ab und musste per Krabber
oben aus der Baumgabel wieder heruntergeholt werden. In Nenndorf ging es bei
damaligem Blaubasalt in Richtung Wittmund los und zurück bis zur Leher Brücke. Gegen Müggenkrug
konnte man zu Hause selten gewinnen, der unvergessene Georg Onnen
regelte das dann aber auf seine Weise. Engagiert und auch bissig ging es vor
allem in Punktkämpfen zu, bei Glatteis wurden gegen Buttforde
alte Socken über die Schuhe gezogen wie auch gegen Ardorf
sich tief in die Augen gesehen wurde als man per Schiedsmann (Stallmann) zum
Kreismeister gekürt wurde.
Auch die 28 großen
Zeltfeste wurden erst im Wechsel gefeiert, wobei in Nenndorf ein neues Zelt von
Andreas Menssen einmal zu Ostern fast dem Sturm zum
Opfer fiel. Etwa 20x stand dann aber das Zelt „Einigkeit“ gerecht
mitten upt Brink, jedes Mal
waren um 50 Vereine die Besucher. Vereinsmeisterschaften mit Sachpreisen
mündeten in das nun so beliebte Schweinepreisboßeln,
schon damals gab es eine vereinseigene Kegelbahn die dann von der bekannten Klüterbahn abgelöst wurde. Erster Vereinsmeister wurde 1959
in Hattersum –Käptn- Reinhold Albers. 1960 in
Nenndorf Lothar Rüdiger nachdem bis zuletzt hier der Alterswerfer Gerd Dierken geführt hatte.
Zunehmender
Straßenverkehr forderte dann zweimal einen Wechsel der Wurfstrecke, hierin
liegt bis heute das größte Vereinshandicap. Zu Ligazeiten der Männer war man 1968
nach Funnix/Buttforde
gewechselt und nimmt seit 1974 8 km Anreise nach Negenbargen
in Kauf. Bei allen Auswärtskämpfen ist man näher an Uttel wie bei seinen
Heimkämpfen, umso mehr muss die gute Jugendarbeit gerade in den letzten Jahren
Anerkennung finden. Der Klootschießeranteil wurde nie
vernachlässigt, Siege im Punkteklootschießen, Mc-Cay-Pokal und im Mehrkampf des KV VII sowie bei den
Landesmeisterschaften belegen dies ebenso wie die Nominierung von Ingo Fähnders im OS Kader bei den Feldkämpfen gegen Oldenburg.
Ommo Heinks war hier zu Anfang die treibende Kraft, viele
seiner damaligen Zöglinge sieht man schon aktiv bei Männer II. Neben mehrfachen
Kreismeistertiteln der verschiedenen Jugendgruppen wurden 1994 die männliche
Jugend B Ostfriesischer Vizemeister. Ab 1972 waren es aber die Utteler Frauen die dem Verein alle Ehre machten. Sie wurden 1977 und 1979 in Frauen I Meister im Pockholzboßeln sowie 1979, 1980 und 1983 Meister im Gummiboßeln. 1994 (Meister
mit 28:0) und 2004 klopften sie an die Tür zur Bezirksliga beim LKV. Von 1989
bis 1995 waren sie in Frauen II Landesligist, nachdem sie schon 1982 erstmals
Kreismeister waren und wurden dort 1991 ostfriesischer Vizemeister. Das beste
Mannschaftsergebnis überhaupt erreichte aber Frauen III. 1990 als man nach dem
Landestitel auch mit 6 Wurf gegen Blexen/OL
FKV-Meister wurde. Daneben wurden sie 1988 bis 1990,
1992, 1993, 1998, 2000 bis 2002 neunmal Kreismeister der Frauen III sowie 2004
der Frauen IV. Außerdem holten die Utteler Frauen
1973 und 1979 den Wanderpokal im Mehrkampf. Nach einer Durststrecke von 35
Jahren konnten die Männer I 2003 endlich wieder Kreismeister werden um nach
erneuerter Meisterschaft 2005 in die Bezirksklasse aufzusteigen, welche leider
nicht gehalten werden konnte. 2006 wurde die Männer III Kreismeister der 1.
Kreisklasse. 2007 konnten die Männer I abermals den Meistertitel erringen und
wieder in die Bezirksklasse aufsteigen.
Auch bei den
Einzelwettbewerben liefen die Frauen den Männern den Rang ab, nur Suntke Reents gewann 1978 den
Landestitel in Männer I mit der Eisenkugel und Ingo Fähnders
1993 den FKV-Titel
in Jugend A mit der Eisenkugel. Ottilde Dorow wurde 1993 in Frauen II Landesbeste mit dem Pockholter. Johanne Janssen holte sich in Frauen VI im Gummiboßeln 1993 diesen Titel und wurde 1993 und 1995 in
Frauen IV FKV-Meister. Therese Merkevicius
gewann für „Einigkeit“ 1997 und 1998 zweimal den LKV-Titel mit dem Pockholter in
Frauen IV sowie zweimal 1998 und 2003 (mit 78 Jahren) den FKV-Titel
in dieser Disziplin. Sie wurde noch übertroffen von Adele Dirks, die 1988 und
1992 zwei Landestitel in Frauen III mit der Gummikugel gewann und 4 x (1979/83
in Frauen II – 1989/93 in Frauen III) den höchsten Titel im FKV schaffte!
Immer aber verstand sich
auch der Verein als ein Bewahrer dörflicher Traditionen, auch nach der
Gemeindereform; Weihnachtsfeiern (seit 1974), Teeabende, Fahrradtouren (seit
1990), aktive Bürgermarktteilnahme (seit 1980) und vieles mehr sind Ausdruck
dessen. Unvergessen sind die Teeabende bei Kampen oder Brauer. Uttels Mittelpunkt, den Brink
oder eines der wenigen Storchenneste, die es überhaupt noch gibt, in Schuß zu halten sind heute noch Aufgabe für den Verein.
Als Johann Lüken und Wilhelm Otten von Bord
gingen wurde 1959 der Nenndorfer Ulrich Janssen
1.Vorsitzender, nach nur einem Jahr folgte ihm Karl Harms vor, unvergessen sein
Abschlußkommentar bei Wettkämpfen wenn er –eben
dat Ergebnis bekannt moken wull-. Immer schon im zweiten Glied hatten seit 1959
Wilhelm Schönbohm, Hinrich Dirks und Friedrich Ihnen gestanden. Wilhelm
Schönbohm aus Uttel folgte dann Karl Harms nach. Immer konnte ein Vorsitzender
dabei auf ein gutes Team im Vorstand zurückgreifen. Hinrich Dirks aus Hattersum
stand dem Verein 11 Jahre vor und war von 1985 bis 1992 auch Vorsitzender des
KV VII. Er war von 1974 bis 2003 ostfriesischer Landesboßelobmann,
Pionier und Garant für den Spielbetrieb in den ostfriesischen Ligen, 1976 Gründer
des Arbeitsausschusses Boßeln für Ostfriesland (bis 2003) und von 1992 bis 1997
2. Vorsitzender des FKV. Ihm wurde als Anerkennung hierfür die höchste
Auszeichnung des FKV das FKV-Eichenblatt sowie 1995
der Upstalsboom-Taler verliehen. Friedrich Ihnen
führte danach sogar 15 Jahre den Verein, jetziger Vorsitzender ist seit 1996
Richard Gent.
Der Verein ist einer der
ersten Mitglieder des Kreissportbundes Wittmundes. Bei der Fusion 1959 hatte „Einigkeit“
102 Mitglieder, der heutige Stand ist 350, seit 1989 ist er eingetragener
Verein.
Nur kurz konnte ich die
Jahre skizzieren, ich wünsche dem Verein, dass er immer seinem Namen gerecht
wird, die plattdeutsche Heimatsprache pflegt und allzeit beim Boßelwart eine Boßelkugel auf
ihren Einsatz wartet.